Einladung zum Betrogenwerden

Die Anti-Embargo- und Pro-Kuba-Petition von Hannes Wader und anderen gegen Handelsbeschränkungen durch die USA hat wieder einmal einen blinden Fleck im Auge unser linken Intelligenzia aufgezeigt: Die Genesis von Informationen über Werktätigen-Paradiese wird nicht gesehen; was totalitäre Diktaturen an Daten über ihre Grenzen lassen, wird kaum hinterfragt und nur zu gern geglaubt – eine unübersehbare Einladung zum Betrogenwerden. In freien Gesellschaften haben Daten einen Wert an sich; sie sind Leuchttürme, Leitplanken und Wegweiser, sie helfen den Bürgern und der Politik, sich in dieser Welt zurechtzufinden und unser aller Leben erträglicher zu gestalten. In totalitären Gesellschaften sind Daten ein Mittel zum Zweck. Man schätzt sie auf Seiten der Regierenden vor allem, und fälscht sie nötigenfalls auch mehr oder weniger stark, um die Schutzbefohlenen auf einen vermeintlich rechten Weg zu lenken. Daten sind Herrschaftswissen, und den Untertanen nur soweit zugänglich zu machen, wie es den höheren Interessen einer besseren Gesellschaft dient.

Wie schon Lenin im Umfeld der russischen Volkszählung 1919 dekretierte, muss Statistik „ein Organ des sozialistischen Aufbaus sein“: „Wir müssen die Statistik in die Massen tragen, so popularisieren, damit die Werktätigen allmählich selbst verstehen und sehen lernen, wie und wieviel man arbeiten muss.“ Als dann die 1937er Volkszählung Resultate erbrachte, die die Siegesmeldungen Stalins widerlegten, ließ er deren Organisatoren erschießen.

Das sollte, wenn man das Wesen totalitärer Herrschaftsformen kennt, auch niemanden überraschen. Überraschend und verstörend ist allein, wie bereitwillig sich freie Gesellschaften durch allerlei von totalitären Diktatoren errichtete Potemkinsche Dörfer in die Irre führen lassen. Nur zu bereitwillig werden Falschmeldungen aller Art, da aus ideologisch nahestehenden Quellen kommend, unkritisch verbreitet und als Wahrheiten verkauft.#

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