Weltanschauung statt Journalismus

Was läuft im Jour­na­lis­mus unse­rer Zeit falsch? Das zeigt der Spie­gel-Autor Mar­kus Fel­den­kir­chen (im Bild links) in einer aktu­el­len Ein­las­sung zu den „Coro­na-Demons­tra­tio­nen“ auf – unfrei­wil­lig. Unter der Über­schrift: „Lage am Mor­gen – Fro­hes Infi­zie­ren aller­seits!“ hat der Spie­gel einen Bei­trag ver­öf­fent­licht, der wie unter einem Brenn­glas zum Vor­schein bringt, wie es aus­sieht, wenn Jour­na­lis­mus durch Welt­an­schau­ung ersetzt wird. Ein Kommentar.

Erkennt­nis­in­ter­es­se – das ist es, was Jour­na­lis­ten antrei­ben soll­te. Wer sagt was und war­um? Was sind die Moti­ve? Was sind die Antrie­be, die dazu füh­ren, dass sich Bür­ger zu einer Demons­tra­ti­on gegen die Coro­na-Maß­nah­men ver­sam­meln? Wel­che gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen flan­kie­ren die aktu­el­le Bewegung?

Wenn Jour­na­lis­ten die­se Fra­gen mit ech­ten Erkennt­nis­in­ter­es­se stel­len wür­den, könn­ten sie Erhel­len­des ans Licht brin­gen. Doch machen wir uns nichts vor: Seit lan­gem ist zu beob­ach­ten, dass gera­de füh­ren­de Medi­en­ver­tre­ter „Jour­na­lis­mus“ als Vehi­kel zur Durch­set­zung ihrer Welt­an­schau­ung benut­zen. Bei Lich­te betrach­tet gehö­ren so man­che Alpha­jour­na­lis­ten nicht in die Medi­en, son­dern in die Poli­tik. Was sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren (z.B. Russland‑, Syri­en­be­richt­erstat­tung) ver­schärft hat, kann aktu­ell anhand der Medi­en­bei­trä­ge zum Coro­na-Virus noch­mal deut­li­cher beob­ach­tet wer­den: Jour­na­lis­ti­sche Distanz, Objek­ti­vi­tät, die Bereit­schaft, unvor­ein­ge­nom­men ein The­ma zu betrach­ten, ist in wei­ten Tei­len der Medi­en fak­tisch nicht mehr vor­han­den – das gilt zumin­dest, je poli­ti­scher ein The­ma ist.

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