Der Mythos der Objektivität

Jour­na­lis­mus ist ein Amal­gam aus Mei­nun­gen und wech­sel­sei­ti­gen Ein­flüs­sen — das ist in Ord­nung so; schwie­rig wird es nur, wenn ein Wahr­heits­an­spruch dazukommt.

Es ist nicht schlimm, wenn Jour­na­lis­ten sub­jek­tiv schrei­ben. Schließ­lich sind sie Men­schen mit bestimm­ten Prä­gun­gen, indi­vi­du­el­len Mei­nun­gen und Prä­fe­ren­zen. Es ist nicht ein­mal schlimm, wenn in bestimm­ten Arti­keln die Mei­nung von Jens Spahn oder Anna­le­na Baer­bock zum Aus­druck kommt. Schwie­rig — und gefähr­lich für die Demo­kra­tie — wird es erst, wenn der sub­jek­ti­ve, pro­pa­gan­dis­ti­sche und gelenk­te Cha­rak­ter bestimm­ter Pres­se­er­zeug­nis­se für den Kon­su­men­ten nicht trans­pa­rent ist. Dann maßt sich Indok­tri­na­ti­on eine Qua­li­tät an, die ihr nicht zukommt: Objektivität.

Und die Leser und Zuschau­er rie­chen den Bra­ten nicht so leicht. Die geschick­tes­te Lüge ist immer die, die im Gewand unan­fecht­ba­rer Wahr­heit daher­kommt. Das betrifft ein­ge­bet­te­te Wis­sen­schaft eben­so wie die Leit­me­di­en, die gern mit ihren jour­na­lis­ti­schen Qua­li­täts­kri­te­ri­en prun­ken. Micha­el Mey­en, Autor des kürz­lich erschie­ne­nen Spie­gel-Best­sel­lers „Die Pro­pa­gan­da-Matrix“, ist selbst Medi­en­wis­sen­schaft­ler und erin­nert an einen ver­ges­se­nen jour­na­lis­ti­schen Den­ker der Wei­ma­rer Repu­blik, Paul Harms. Des­sen Cre­do ist so hart wie wahr: Abso­lu­te Objek­ti­vi­tät in der Pres­se ist eine Illusion.

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