Die liebgewonnene Pandemie

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Wie schon ein­mal wäh­rend des Lock­downs, als deut­sche Leit­me­di­en alles dafür taten, „Öff­nungs­or­gi­en“ oder „lebens­ge­fähr­li­che“ Locke­run­gen zu ver­hin­dern, scheint für man­che Jour­na­lis­ten die Rück­kehr zu einer „vor­pan­de­mi­schen“ Nor­ma­li­tät beängs­ti­gen­der zu sein als das Virus selbst. Das zeigt sich nicht nur in der selek­ti­ven Wahr­neh­mung und Bericht­erstat­tung fast nur über Län­der, aus denen sich ent­we­der gera­de wie­der ein­mal bedroh­li­che Inzi­den­zen ver­mel­den las­sen oder die Poli­tik wei­te­re Ver­schär­fun­gen betreibt. Neu­er­dings wird auch ver­stärkt Framing betrie­ben, um die den Deut­schen erfolg­reich ein­ge­impf­te Psy­cho­se als neu­en Nor­mal­zu­stand zu akzeptieren.

Unter dem denk­wür­di­gen Titel „Kei­ne Lust auf Frei­heit? War­um man­che Deut­sche den Lock­down ver­mis­sen“ mach­te die­se Woche „Focus Online“ mit einer aben­teu­er­li­chen Geschich­te über das neue deut­sche Angst­bür­ger­tum auf, das sich „an die neue Lebens­wei­se gewöhnt“ habe und „die der­zei­ti­gen Frei­hei­ten kri­tisch“ sähe. Allei­ne schon in der letz­ten For­mu­lie­rung setzt sich das­sel­be fun­da­men­ta­le Miss­ver­ständ­nis einer Poli­tik fort, die das zur Dis­po­si­ti­on stell­te, was eigent­lich unver­rück­bar und unter kei­nen Umstän­den jemals hät­te antast­bar sein dür­fen: Grund­rech­te und Frei­hei­ten, die eine demo­kra­ti­sche Gesell­schaft so drin­gend braucht wie die Luft zum Atmen.

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