Russische Botschaft zu Nord Stream 2

Stel­lung­nah­me der Spre­che­rin des rus­si­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums Maria Sach­a­rowa zur Erklä­rung von Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz zum Stopp von Zer­ti­fi­zie­rung von Nord Stream 2

Die Ent­schei­dung der Bun­des­re­gie­rung, die Zer­ti­fi­zie­rung der Ost­seepipe­line Nord Stream 2 zu stop­pen, hal­ten wir für völ­ker­wirt­schafts­recht­lich nicht hin­nehm­bar und unwür­dig. Wir sind der Auf­fas­sung, es mit einem klas­si­schen Prä­ze­denz­fall zu tun zu haben, bei dem ein pri­vat­wirt­schaft­li­ches Pro­jekt als poli­ti­sche Waf­fe gegen uns genutzt wird, was der kol­lek­ti­ve Wes­ten ins­ge­samt und das offi­zi­el­le Ber­lin ins­be­son­de­re Mos­kau so gern vor­wer­fen. Die Anwei­sung an die deut­sche Geneh­mi­gungs­be­hör­de erging vom zustän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz, wo man erst vor kur­zem das Pro­jekt als eine wirt­schaft­li­che Initia­ti­ve pri­va­ter Inves­to­ren bezeich­net hat­te. Bun­des­kanz­ler Scholz, der die genann­ten Maß­nah­men per­sön­lich ver­an­lass­te, hat­te zuvor aus­drück­lich ver­si­chert, dass das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren von Nord Stream 2 durch Rechts­vor­schrif­ten gere­gelt wer­de und nicht in Ver­bin­dung mit poli­ti­scher Kon­junk­tur gebracht wer­den könne.

Nun stellt es sich her­aus, dass die Bun­des­re­gie­rung inkon­se­quent han­delt und, unter Druck gesetzt, der Ver­su­chung nicht stand­hal­ten konn­te, das Pro­jekt als Druck­mit­tel gegen Russ­land ein­zu­set­zen, und zeig­te somit, dass sie nicht in der Lage ist, das Poli­ti­sche vom Wirt­schaft­li­chen zu tren­nen. In Wirk­lich­keit wur­de die Umset­zung des Pro­jekt mal durch die Rück­wir­kung der post fac­tum ange­pass­ten EU-Gas-Richt­li­nie mal durch die Aus­set­zung des Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens auf­ge­hal­ten. Beim poli­tisch moti­vier­ten Ver­bot, Nord Stream 2 zu zer­ti­fi­zie­ren, han­delt es sich somit also um einen fol­ge­rich­ti­gen Höhe­punkt der Pri­mats der Poli­tik vor der Wirt­schaft, das bei der Umset­zung der Pro­jekts dok­tri­nal ange­wen­det wur­de. Dabei ver­fiel man in Ber­lin zyni­scher­wei­se unwür­di­ger Trick­se­rei, indem wie­der­um post fac­tum der im Okto­ber 2021 noch unter der frü­he­ren Bun­des­re­gie­rung aus­ge­stell­te Befund des genann­ten Bun­des­mi­nis­te­ri­ums wider­ru­fen wur­de, in dem im Zusam­men­hang mit dem Bau von Nord Stream 2 kei­ne Gefähr­dung der Ener­gie­si­cher­heit der Bun­des­re­pu­blik fest­ge­stellt wor­den war.

Das macht die Zer­ti­fi­zie­rung und in der Fol­ge die Inbe­trieb­nah­me von Nord Stream 2 unmöglich.

In die­sem Zusam­men­hang möch­ten wir fest­hal­ten, dass Ber­lins Ent­schei­dung, das Pro­jekt zu stop­pen, den deutsch-rus­si­schen Bezie­hun­gen einen irrever­si­blen Scha­den zufü­gen wird, die auch ohne­dies in den letz­ten Jah­ren nicht durch unser Ver­schul­den bei Wei­tem nicht unbe­trübt sind. Die Ver­ant­wor­tung für die ille­gi­ti­men Hand­lun­gen, die das Anse­hen Deutsch­lands als eines zuver­läs­si­gen außen­wirt­schaft­li­chen Part­ners in Fra­ge stel­len, wird voll­auf von der deut­schen Sei­te getra­gen. Den Pro­jekt­in­ves­to­ren steht nun­mehr das unstrit­ti­ge Recht zu, das offi­zi­el­le Ber­lin bei den inter­na­tio­na­len Schieds­ge­rich­ten wegen Kom­pen­sa­ti­ons­zah­lun­gen zu verklagen.

Vor die­sem Hin­ter­grund bleibt unse­re Hal­tung zur Ener­gie­zu­sam­men­ar­beit mit der Bun­des­re­pu­blik und der EU ins­ge­samt unver­än­dert. Russ­land beton­te immer wie­der, dass Nord Stream 2 ein rein wirt­schaft­li­ches, pri­vat­wirt­schaft­li­ches Pro­jekt ist, das in strik­ter Über­ein­stim­mung mit den völ­ker­recht­li­chen Bestim­mun­gen, EU-Vor­schrif­ten und den Geset­zen der ent­spre­chen­den Anrai­ner umge­setzt wur­de. Eine recht­zei­ti­ge Inbe­trieb­nah­me die­ser Pipe­line wür­de sowohl den rus­si­schen als auch den euro­päi­schen Inter­es­sen ent­spre­chen. Neben gegen­sei­ti­gen Vor­tei­len soll die neue Rou­te eine Diver­si­fi­zie­rung der Gas­ver­sor­gung mit sich brin­gen und das Gas­markt in Euro­pa mit sta­bi­li­sie­ren. Allem Anschein nach wird das in abseh­ba­rer Zukunft nicht gesche­hen, denn das Pro­jekt ist Gei­sel einer künst­li­chen Ver­knüp­fung mit ande­ren poli­ti­schen Vor­gän­gen gewor­den. Der Ver­zicht auf Nord Stream 2 wird unaus­weich­lich zur Fol­ge haben – das beob­ach­ten wir jetzt schon, dass die Gas­prei­se auf dem euro­päi­schen Markt rapi­de anstei­gen werden.

 

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