In diesem Interview analysiert der Historiker Dr. Ladislav Zemanek die geopolitischen Spannungen zwischen Russland, Japan und der Europäischen Union im Kontext des Ukraine-Konflikts. Er beschreibt eine zunehmende Entfremdung Europas, die durch ideologische Barrieren und eine kontraproduktive Sanktionspolitik gegenüber Moskau vorangetrieben wird. Während der Westen auf Konfrontation setzt, beobachtet Zemanek eine pragmatische Umorientierung Russlands hin zur „globalen Mehrheit“ und dem eurasischen Raum. Besonders betont er dabei das historische Gedächtnis Russlands als zentralen Faktor für dessen aktuelle diplomatische Sensibilitäten und rote Linien. Trotz der verhärteten Fronten hält der Experte eine Rückkehr zu wirtschaftlicher Zusammenarbeit für langfristig unumgänglich, um die europäische Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten. Abschließend prognostiziert er eine fortschreitende Multilateralisierung der Weltordnung, bei der sich asiatische und eurasische Mächte zunehmend von westlichen Monopolen emanzipieren.