
25 Jahre nach Putins Bundestagsrede
Deutschland muss erwachsen werden
Vor einem Vierteljahrhundert warb Putin im Bundestag auf Deutsch für enge Beziehungen zu Deutschland und Westeuropa. Heute dominiert Angstpropaganda gegen „den Russen“. Für eine multipolare Welt braucht Deutschland eine friedliche Kurskorrektur hin zu eurasischen Nachbarn.
Ein Kommentar von Jürgen Wieckmann
Vor 25 Jahren hielt der neu gewählte Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, vor dem Deutschen Bundestag – auf deutsch – eine Rede, sich sich mit den Beziehungen Russlands zu Deutschland und West-Europa befasste. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, haben bei dieser Rede auch deutsche Außenpolitiker mitgewirkt. Maßgeblich war hier der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder – in guter SPD-Tradition eines Willy Brand, Egon Bahr aber auch Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Helmut Kohl (CDU).
Diese sogenannte Ostpolitik hätte für Deutschland zur Staatsraison werden müssen – schlicht wegen der Wahrung deutscher Interessen. Man es auch noch mit historischen Erfahrungen untermauern können. Darüber hinaus gilt, dass das Deutsche Volk gegen einen dritten Krieg gegen Russland will.
“German Angst” als psychologische Kriegsführung
Aktuell ist Deutschland einer verschärften Kriegspropaganda ausgesetzt, deren Methode an Angstpropaganda im Stile von Corona erinnert. Das tödliche Virus ist jetzt wieder mal „der Russe“. In Sachen Corona sagte Peter Hahne einst, er wolle „Handschellen klicken hören“. Das muss auch für jene Kreise gelten, die den Krieg gegen Russland befördern.
Geopolitische Verwerfungen epochalen Ausmaßes
Das hat in Perspektive eine geopolitische Bedeutung. In der sich abzeichnenden multipolaren Weltordnung wird sich Deutschland und damit auch West-Europa zu den Nachbarn auf dem eurasischen Kontinent hinzuwenden haben. Das erzwingen allein die ökonomischen Gravitationskräfte. Auch wenn die sogenannten “Neokons” der USA noch immer glauben, sie könnten auf Dauer ihren Brückenkopf in West-Europa militärisch und ökonomisch halten – der Hegemon auf der anderen Seite des Teichs ist definitiv im Abstieg begriffen. An der Stelle ist US-Präsident Trump, nicht “der mächtigste Mann” auf diesem Planeten, sondern lediglich polit-personalisierter Irrsin, der auf eine andere Weise der einstiegen Sowjetunion wiederfuhr, als sie noch mächtiger Welthegemon auf der anderen Seite “der Mauer” war. Den USA dürften 30 Jahre später ähnliche innenpolitische Verwerfungen bevorstehen.
Das ist zweifelsfrei keine gute Nachricht – im Gegenteil. Doch West-Europa – tendenziell eine Ansammlung von Vasallenstaaten – haben nicht den Hauch einer Chance, diesen Niedergang zu verhindern. Vielleicht lässt sich noch verhindern, dass der einstiege Hegemon in seinem sich abzeichnenden Niedergang noch „den Rest der Welt“ mit in den Abgrund zieht.
Noch eine friedliche Revolution durch Mittel-Europa?
In Deutschland und damit auch für West-Europa bedarf es wohl wieder mal eine „friedliche Revolution“, die jene Kreise entmachtet, die weder Deutsche noch europäische Interessen geopolitischer Größenordnung vertreten. Immerhin zeichnet sich ab, das die sogenannten Altparteien transatlantischer Prägung auf formaldemokratische Weise abgestraft werden. Das gilt für die CDU, die Sozen und bedingt auch für Grüne. Letzteres ist seltsam, denn die haben sich – einst als Friedenskraft etablierend – zu den gefährlichsten Kriegstreibern in unserem Land entwickelt.
An der Stelle hatten wir auf internationalem Parkett einfach nur ein wenig Glück gehabt, das die offene Kriegserklärung einer grünen Außenministerin nicht in einer Weise Bedeutung beigemessen wurde, als wenn das ein politisches Gewicht der „Bootsklasse“ Hans-Dietrich-Genscher von sich gegeben hätte.
Ob es in Deutschland noch eine zweite Runde „friedliche Revolution“ geben kann, ist loffen. Im Gegensatz zu Revolutionen französischer Art, neigen die Deutschen nun mal nicht dazu, frühere Eliten unter die Guillotine zu legen. Es ist auch nicht unsere Art, Politiker und deren „innen“, die wir politisch anzuklagen haben, unter Umständen an ein Ausland auszuliefern, in denen es Gesetzeslagen gibt, die für die Angeklagt“innen“ durchaus tödlich ausgehen können.
Deutschland muss erwachsen werden
Es wird diesmal wohl keine militärische Intervention, von wem auch immer, geben, die die Deutschen „befreien“ wird. Das werden wir diesmal alleine zu bewerkstelligen haben. Daran wird sich in den gefühlt nächsten 50 Jahren auch entscheiden, ob wir in Deutschland und damit West-Europa in den Kreis des eurasischen Kontinents aufgenommen werden – wie es einst ein gewisser Herr Gorbatschow formulierte – nicht nur allein wegen der ökonomischen Zwänge, sonder auch als durchaus vielfältige Einheit der europäischen Kultur.
Historisch Bewanderte wissen vielleicht noch, was einst die Erbfeinschaft zwischen Frankreich und Deutschland ausmachte. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sie überwunden werden. Jahrzehnte später gab es einen öffentlich-rechtlichen deutsch-französischen Fernsehkanal – ARTE. Der ist mittlerweile auch stark dem kriegswütigen Zeitgeist in Europa unterworfen, tendenziell aber immer noch ein gutes Argument für öffentlich-rechtliche Medienformate.
Vielleicht gibt es in dreißig Jahren auch einen deutsch-russischen Fernsehsender „Арте». Bis dahin empfehle ich, russisch oder auch mandarin zu lernen.
Dies Video dokumentiert die historischen Bundestagsrede von Wladimir Putin aus dem Jahr 2001 und setzt diese in Bezug zur aktuellen politischen Spannungen zwischen Deutschland und Russland. Der russische Präsident betonte damals die kulturelle Verbundenheit beider Nationen und warb für eine enge Partnerschaft, um ein eigenständiges, starkes Europa zu schaffen.
Gleichzeitig äußerte er bereits vor über zwei Jahrzehnten Besorgnis über die NATO-Osterweiterung und forderte eine Abkehr von alten Denkweisen des Kalten Krieges.
Das Transkript der TV-Aufzeichnung aus dem Deutschen Bundestag hebt zudem Putins damaliges Bekenntnis zu demokratischen Werten sowie die wirtschaftliche Dynamik Russlands hervor. Die Quelle kontrastiert diese versöhnlichen Töne mit der heutigen Situation, in der gegenseitige Vorwürfe hybrider Kriegführung den Dialog bestimmen. Insgesamt wird das Dokument als Beleg für eine verpasste Gelegenheit zur dauerhaften Friedensordnung in Europa dargestellt.










